• Barbara Balbierz

Beauty


Minimalistisch Räume faszinieren mich. Sie geben meinem Auge Ruhe und beim Anblick eines solchen Raumes, wohlmöglich nur in beige und weiss gehalten, empfinde ich Frieden. Mir geht das Herz auf, wenn die Influenzieren Jenny Mustard eine ihrer Roomtours durch ihre Londoner Wohnung, mit ihren Followern teilt. Das ist Urlaub für meine Augen.

Doch manchmal verspüre ich auch ein bisschen Unbehagen, wie bei der sympathischen Youtuberin Minimal Mimi. Sie treibt den Minimalismus in ihren vier Wänden derart auf die Spitze, dass sich eine gewisse Unruhe in mir regt und es tauchen Fragen in meinem Kopf auf:

Ist es nicht doch ein bisschen zu leer bei ihr?

Fehlt ich nicht etwas wichtiges?

Hat sie alles was sie braucht?

Sich auf das Nötigste zu beschränken ist Freiheit und Zwang zugleich und die Balance zu finden gleicht einem Drahtseilakt. Bei Jenny sehe ich Zugeständnisse an die Gemütlichkeit, Mimi unterwirft ihrer Wohnung der puren Nützlichkeit.

Auch in der Kunst können völlig überladene, alte Meister mich tief bewegen, doch die blaue Leinwand von Yves Klein (Blaues Schwammrelief 1961, Nr. 73 Museum Ludwig) gibt mir tiefen Frieden.

Inspiriert von der spanischen Künstlerin Gimena Romero bekam ich Lust auf eine Collage. Romeros Stickereien auf Papier sind einfach nur wunderschön. Sie selber sagt in einem Kurs: „Es ist schwer herauszufinden wann es genug ist. Nur ein einziges Teil zuviel auf einem Bild, kann die gesamte Komposition zum kippen bringen.“

Ich sammelte eine Menge Ausdrucke und Papierschnipsel zusammen und begann mit meiner Collage. Genau wie bei meinen Boxen fürchte ich immer etwas wesentliches zu vergessen. Nachdem ich einige Fotos ausgeschnitten und verschiedene Papiere arrangiert hatte, lies ich das Blatt auf meinem Arbeitstisch liegen. Jedes Mal, wenn ich wieder davor saß, verschwanden ein oder zwei Teile.

Eigentlich wollte ich die Frau in Spitze hüllen und mit Blumen und Goldfäden verzieren, aber ich konnte mich nicht dazu durchringen. Ich wollte auch keinen Kleber, oder andere Hilfsmittel benutzen. Zuletzt entschied ich mich, die Diva nur mit einem metallenen Goldfaden auf den Untergrund zu nähen.

Mehrmals nahm ich die Dame aus ihrem Rahmen. Fehlte nicht doch noch etwas? Meinen Augen gefiel was ich sah, aber war es genug?

Wie Mimis Wohnung, die sich für mich an der untersten Schmerzgrenze des Minimalistischen bewegt, ist die reduzierteste Collage, die ich zustande bringe. Aber wer weiß, vielleicht schaffe ich es irgendwann einen perfekten orangenen Strich auf eine weiße Leinwand zu setzen und bin total glücklich damit.

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