• Barbara Balbierz

a dog life



Ein leises, aber durchdringendes Jammern schubst mich aus meinen Träumen. Der Wecker sagt: 6:05. Ich stöhne und werfe einen Blick neben mein Bett. Dort sitzt sie kerzengerade, hebt voller Ungeduld abwechseln die linke und die rechte Pfote an und ist der Meinung, ich hätte jetzt nun wirklich lange genug geschlafen. 6 Uhr ist eine hervorragende Zeit zum Pipimachen - wenn sie das nicht schon auf einem Handtuch im Bad erledigt hat - und es ist definitiv Frühstückszeit.


Mein Hund hat die senile Bettflucht. Lange vorbei die Zeiten, als ich sie wecken musste, damit wir endlich raus gehen können und der Tag beginnt.


Fräulein Susi, ehemals eine weiße Schönheit und genetische Mischung aus Malteser und Pudel ist mit ihren 15 Jahren (80 Hundejahre) nicht mehr geduldig. Geduld hatte sie wahrlich genug mit uns. Wurde als Welpe mit dem Puppenwagen durch die Strasse gefahren, kennt sich aus in Holland, England und Österreich und hat so manchen Berg mit uns erklimmen müssen und dabei gegen wilde Kühe, Pferde und Ziegen gekämpft und mit Sicherheit unser Leben gerettet. Ganz zu schweigen von den vielen Partys und Kindergeburtstagen. Das war ganz schön stressig.


Aber nun nagt der Zahn der Zeit an ihr. Der Rücken, ihr wißt schon, und das Fell ist so dünn, dass man die Haut darunter mit all seinen Flecken und Falten sieht. Die Knie wollen auch nicht mehr und das Gedächtnis spielt ihr tägliche Streiche. Meistens ist sie der Meinung wir hätte mal wieder ihr Futter vergessen, obwohl ihr Bauch so prall gefüllt ist wie eine Bowlingkugel. Aber Fressen ist nunmal der Sex des Alters.


Spielen - pah - das ist was für Kinder.

Kuscheln - igitt - lasst mich in Ruhe.

Gassi gehen - ja, aber bitte nur um den Block, da kenne ich mich aus und da liegen die besten Hasenköttel zum naschen.


Die meisten ihrer Freunde hat sie überlebt und das junge Gemüse, was ihr neuerdings begegnet ist unerzogen und nervig. Um die macht sie lieber einen große Bogen. Da ist nur Polly von nebenan. Aber die quatscht so viel. Bellt ständig vor sich hin und meint sie ist der Chef. Verreisen mag sie auch nicht mehr. Ja, im Auto, auf dem großen Kissen, ist es ganz nett, aber dann kommt sie in ein Haus und kennt sich nicht aus. Läuft irgendwo gegen, denn die Augen - ihr wisst schon.


In diesem Moment, während ich schreibe, liegt sie hinter mir in einer Ecke und schnarcht (ziemlich laut). So ist es ihr am liebsten. Frauchen ist in der Nähe, lässt sie aber in Ruhe und stellt pünktlich das Essen bereit. Mehr braucht ein alter Hund nicht zum Glück.

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