• Barbara Balbierz

Sunshine Reggae



Wir müssen reden....

Ich stecke, wie viele meiner Mitmenschen, in einem Dilemma fest, denn ich reise gerne. Bis vor ein paar Jahren haben mich höchsten überfüllte Strände gestört, die sich leicht vermeiden ließen und der Müll, denn viele Urlauber hinterließen.


Dann startete Airbnb und wir feierten diese grandiose Idee, bis..., ja bis in touristisch beliebten Städten die Einheimischen aus ihren zentralen Wohnungen gedrängt wurden und ich mich heute, wenn ich nach Venedig oder Barcelona fahren würde, eher fühle wie in Disney. Mit normalen, historisch interessanten Städten haben diese (und viele andere) Orte nur noch wenig gemein. Als Besucher ist mir das peinlich, wenn ich nur noch Fressbuden und Touri-Läden sehe, anstatt Geschäfte des täglichen Gebrauchs, Supermärkte und einheimische Händler. Und es ärgert mich sehr, dass häufig Großkonzerne anstatt der Einheimischen von meinen Besuchen profitieren.


Gleichzeitig wurde über Instagram auch noch der letzte Geheimtipp verraten und zum viel frequentierten Hotspot. Anstatt der Aussicht von einem erhabenen Felsen, darf man jetzt die Selfieschlange vor der Aussicht bewundern.


All das ist ärgerlich. Doch den wichtigsten Aspekt habe ich viel zu lange ignoriert. Die Umwelt. Was soll ich also machen?


  • Nur noch an Orte reisen, die ich mit dem Zug oder dem E-Auto erreichen kann?

  • Wo kann ich wohnen? Soll ich die großen Hotelketten unterstützen, oder den Investoren von Airbnb-Wohnungen das Geld in den Rachen schmeißen. Einem privaten Vermieter/in würde ich mein Geld noch gönnen, allerdings vernichtet auch er/sie wertvollen Wohnraum in einer Stadt.

  • Zum Glück waren Kreuzfahrten nie eine Option für mich, daher muss ich mir um diese Dreckschleudern in Bezug auf meinen Urlaub keine Sorgen machen. Sonst allerdings schon.

  • Darf ich wirklich nie wieder nach Asien, Amerika oder Afrika reisen? Fliegen ist schlecht und schwimmen geht nicht.

Ihr seht, die Lage ist schwierig. Zwei Jahre haben wir nun einen Teil unserer Ferien in Deutschland verbracht. Letztes Jahr eine Städtetour, von Hamburg nach Weimar und weiter nach Dresden. Fahrt mit einem Benziner, Übernachtung in Hotels (große Ketten) und das Wetter war zum fürchten. Kalt, nass, gruselig.


Dieses Jahr stand wieder der Norden auf dem Plan. Erst Sylt dann Husum. Eine Ferienwohnung und ein Haus, beides von privat vermietet. Auf Sylt stellten wir fest, das unsere Wohnung sich in einem Haus befand, dass früher von Einheimischen bewohnt wurde. Die mussten ausziehen, die Wohnungen wurden saniert und an Sommergäste verkauft, die sie ihrerseits vermieten. Für Einheimische ist kaum noch Platz auf der Insel. Das hat mir nicht gefallen.


Anders in Husum. Das über hundert Jahre alte, Reet gedeckte Haus, war liebevoll renoviert und dient einer Familie als Zweitwohnsitz und zur Vermietung. Über Wohnungsnot kann man in dieser Gegend auch nicht klagen. Soweit so gut. Besonders gefreut hat uns, dass es in Husum und Umgebung (Friedrichstadt, Schleswig usw.) nirgendwo voll war. Allerdings, was soll ich sagen, es war der kälteste Sommerurlaub meines Lebens. In den ersten zehn Tagen 16 - 20 Grad, Dann wurden uns noch zwei warme Tage geschenkt und als der Regen und die Kälte zurück kam, reisten wir ab. Richtig umweltfreundlich war die Fahrt ebenfalls nicht, da wir seit einem halben Jahr auf unser E-Auto warten, mit dem wir eigentlich fahren wollten. Aber es kommt einfach nicht.


Ehrlich? Ich habe jeden um seinen Platz in einem Flieger Richtung Süden beneidet.


Es bleibt die Frage: Wie sollen wir in Zukunft reisen? Ich weiß es nicht. Ganz auf Fernreisen möchte ich nicht verzichten. Auf Sonne und Wärme auch nicht. Vielleicht werden wir bald mal einen der neuen Nachtzüge ausprobieren. Auch das E-Auto, sofern es denn irgendwann kommt, sorgt für ein besseres Gewissen (jaja, ich weiß, die Herstellung, die Batterien usw. Ich stehe trotzdem dazu). Vielleicht macht es die Mischung. So umweltbewusst leben, wie es jedem einzelnen möglich ist. Immer wieder sein eigenes Gewissen befragen und dabei nur bei sich bleiben und nicht mit dem Finger auf andere zeigen.


Schöne Ferien

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